Das Ende der Suchmaschinenoptimierung?

Es scheint völlig klar und logisch. Ist die Webseite auf den ersten Plätzen der Suchmaschine zu finden, gibt es automatisch viele Besucher.

Aber ist das wirklich so? Oder gehört das in das Reich der Mythen und Sagen? Genau die Frage müssen wir uns nämlich stellen, wenn das nächste Mal der Suchmaschinenoptimierer am Telefon ist und uns verklickern will, dass er in Null-Komma-Nichts die Webseite auf Platz 1 bei Google bringen wird.

Ok, bei solchen Aussagen stellen sich mir noch ganz andere Fragen, aber dazu später.

Die wichtigste Frage ist aber: Wollen Sie überhaupt auf Platz 1 bei Google sein?

Welchen Nutzen hätten Sie denn davon? Und, bringt das tatsächlich mehr Besucher auf die Webseite?

Ich sage Nein und spreche da aus mehrjähriger Erfahrung. Ich habe viele Seiten unter teilweise schwer umkämpften Suchbegriffen auf Platz 1-3 gebracht. Doch mehr Besucher? Nicht wirklich.

Da ging es mehr ums eigene Ego oder das Image des jeweiligen Unternehmens, für welches ich da tätig war. Manche Unternehmen lassen es sich eine Stange Geld kosten, um ganz vorne zu sein. Allein damit die Konkurrenz da nicht steht. Doch kommen messbar mehr Besucher? In den meisten Fällen wohl nicht.

Es macht für User keinen Unterschied

Seit es Google Adwords gibt, ist die Zahl der Besucher meist aber von den Adwords um einiges höher gewesen als die der organischen Suchanzeige.

Zum besseren Verständnis für die im Onlinegeschäft nicht so versierten Leser: Adwords sind die bezahlten Suchergebnisse, welche früher mal auf der rechten Seite des Bildschirms zu finden waren, nun aber an den ersten Stelle der Suchergebnisse stehen. Schon als die Anzeigen nur rechts standen, war die Quote der Adwords aber in allen meinen betreuten Projekten viel höher als die der organischen Ergebnisse.

Eine neue Studie unterstreicht diese praktische Erfahrung.

Eine repräsentative Umfrage ergab, dass 62,2% der Internetnutzer nicht zwischen organischen Suchergebnissen und einer Anzeige unterscheiden können.*

Von 1.000 Befragten wussten also 2/3 nicht, was davon eine Anzeige und was ein Suchergebnis ist!

Lassen Sie sich das bitte ganz langsam auf der Zunge zergehen.

Wenn die meisten Kunden also gar nicht unterschieden können, ob sie gerade eine Anzeige anklicken oder ein Suchmaschinenergebnis, dann ist es vielleicht besser in Anzeigen zu investieren statt in SEO Optimierung?

Denn es stellt sich eine weitere Frage. Was kostet es die Seite unter einem relevanten Suchbegriff wirklich nach vorne zu bringen?
Das ist wirklich schwer abzuschätzen, aber gehen sie mal davon aus, dass es wenigstens ein paar tausend Euro sein werden, wenn dies langfristig geschehen soll. Da müssen Änderungen an der Webseite vorgenommen werden, Backlinks aufgebaut, Content geschrieben werden u.s.w.

Es gibt eine Vielzahl an Möglichkeiten und die will ich den SEO Experten gar nicht absprechen. Es ist natürlich möglich eine Seite auf Platz 1 zu bringen, aber mit welchem Aufwand?

Vor allem wenn Sie bedenken, dass Ihre Konkurrenz, welche bislang auf den ersten Plätzen war, diese Plätze gerne zurück hätte. Die Spirale beginnt. Meiner bescheidenen Meinung nach, ein Fass ohne Boden.

Es gibt bessere Möglichkeiten

Auch wenn ich inzwischen auch die Google Adwords für kleine Unternehmen aufgrund der ständig steigenden Klickkosten eher kritisch sehe, kann man mit einer Adwords Kampagne sicherlich günstiger auf Platz 1 bei Google kommen, wenn man dies unbedingt möchte. Oftmals ist es auch die einzige Möglichkeit.

Wenn eine KfZ Werkstatt in Dresden unbedingt unter dem Suchbegriff „KfZ Werkstatt Dresden“ auf Platz 1 will, dann ist das auf Grund der enormen Konkurrenz für ein kleines Unternehmen schier aussichtslos. Mit Adwords könnte aber auch das kleine Unternehmen zumindest in nicht so stark umkämpften Uhrzeiten mit einem mittleren Budget auf diesen (Anzeigen)Platz erscheinen.

Auch hier gilt, je genauer die Zielgruppe umso günstiger wird es. Würde die Werkstatt statt „Kfz Werkstatt Dresden“ besser „KfZ Werkstatt Dresden Trachau“ nehmen, wäre es wesentlich billiger und einfacher. Das betrifft aber sowohl die Suchmaschinenoptimierung (SEO) als auch die Adwords.

Der Unterschied: Für die SEO Optimierung müsste das Unternehmen, wie schon gesagt, ein paar tausend Euro hinblättern. Eine Garantie wie lange es damit auf Platz 1 bleibt, gibt es nicht.

Stattdessen könnte das Unternehmen für 1.000 Euro bei einem Klickpreis von 0,50 Euro aber auch 2000 Klicks auf die Webseite bekommen, weil es bei den Adwords eben vor den organischen Suchergebnissen steht.

Ob 2.000 Webseiten Besucher aus dem Platz 1 in der organischen Suche gekommen wären, bezweifle ich dagegen stark.

Deshalb würde ich aus meiner Erfahrung heraus kleinen Unternehmen dringend raten auf die Suchmaschinenoptimierung, die über den normalen Aufwand hinausgeht, zu verzichten. Damit meine ich aber nicht, dass die Webseite nicht zumindest suchmaschinengerecht programmiert wurde.

Bitte nicht falsch verstehen. Es geht hier nur um die teure zusätzliche SEO Optimierung.
Stattdessen würde ich empfehlen dieses Geld in Adwords Kampagnen zu stecken, wenn es denn aus Imagegründen notwendig ist, ganz vorne vor der Konkurrenz zu erscheinen.

Andernfalls wäre mein Tipp für kleine Unternehmen das Geld in den Aufbau einer Fanpage auf Facebook zu stecken. Gerne berate ich Sie dazu individuell.

*Lewandowski et al. (2017) An Empirical Investigation on Search Engine and Disclosure

 

Update:

Kaum hatte ich den Artikel online meldeten sich auch schon die „Experten“. Deshalb nochmal der Hinweis: Natürlich kann Suchmaschinenoptimierung Ihre Webseite in den organischen Ergebnissen nach vorne bringen. Und selbstverständlich steht es jedem frei das zu versuchen und darauf zu hoffen, dass durch Suchmaschinen jede Menge Traffic (Besucher) auf die Webseite gelangt. Nur zeigt eben meine praktische Erfahrung, dass es zwar auf den ersten Blick günstig aussieht, wenn „kostenlose“ Besucher von den Suchmaschinen kommen aber man dafür letzten Endes viel zu tief in die Tasche greifen muss. 

Desweiteren richtete sich der Artikel nicht an die vielen kleinen Shopbetreiber und Internet Startups, die ohnehin die SEO Aufgaben selber erledigen, sondern an kleinere Unternehmer, die sich nicht mit so etwas befassen können und deshalb viel Geld für SEO bezahlen müssen. 

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